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Fragst du dich auch manchmal, warum?

Fragst du dich auch manchmal, warum du eigentlich läufst und warum du Stunden dafür aufbringst um zu trainieren? Am Sonntag, den 04.10.2015 stand ich am Start des Gelita Trail Marathon Heidelberg und meine Eindrücke und MEIN WARUM beschreibt vielleicht auch DEIN WARUM.

Regen prasselt auf die Dächer von Heidelberg und es sind gerade mal 13 Grad um 11 Uhr. Der Start befindet sich im Schlossgarten des Heidelberger Schlosses und nicht nur verrückte Trailläufer fanden an diesem Tag den Weg ins Schoß, nein. Japaner wohin das Auge sieht. Der Weg in den Schlossgarten gleicht einem Hindernislauf und die japanischen Besucher denken nun sicher, dass wir Deutschen immer sonntags so bunt angezogen durch die Gegend laufen 😉

Nachdem wir im P9 geparkt haben nutzte ich den Aufstieg zum Schloß als Strecke um den Körper an zu wärmen. Das Ganze war eher unbeabsichtigt und wäre sicher auch entspannter gewesen hätten wir nicht einen Kinderwagen am Start und noch 20 Minuten bis zum Start. Der „Aufstieg“ ging auch so lange gut bis wir plötzlich an Treppenstufen angekommen waren. Trailläufer unter sich sind sehr hilfsbereit was man daran erkannte das sich im Handumdrehen ein netter Mensch gefunden hat der uns helfen konnte den Kinderwagen über bestimmt 100 Stufen nach oben zum Schloss zu tragen. Jetzt noch schnell die Startnummer holen, noch 5 Minuten bis zum Start und ab in den Schlossgarten. Am Start ging es dann ratz fatz los und nach einer Runde im Schlossgarten ging es dann raus auf die Strecke. Und ich muss schon sagen, Hut ab. Da hat sich doch einer mal richtig ins Zeug gelegt und einen sehr schönen Trail gesteckt. 42 km und 1600 Höhenmeter mit knackigen Anstiegen und schönen schnellen aber nicht ungefährlichen Downhills und das bei diesem (miesen) Wetter, besser geht (fast) nicht.

Die ersten 30 km waren genau nach meinem Geschmack und Carsten (auf dem Trail kennengelernt) war Berg auf immer einen Schritt schneller als ich, aber Berg ab, war ich wieder da und so ging das bis zur Himmelsleiter. Ich kannte diesen Berg oder diesen Namen nicht, aber das sollte sich ganz schnell ändern. „Himmelsleiter“ ist schon der richtige Name für dieses Höllenteil. 1,02 km 203 Höhenmeter und alles mit Natursteine in Treppenform angeordnet. Jede Stufe hatte seine eigene Form und auch die Höhe war von Tritt zu Tritt unterschiedlich, das war echt harte Arbeit und das nach 36 km und schon 1330 Höhenmetern in den Beinen. Jeder Schritt brannte wie Feuer in den Oberschenkeln und das einzige was jetzt hilft „nicht stehen bleiben und den Antrieb verlieren“ weiter und immer weiter. Auf dem Königsstuhl angekommen pfiff der Wind und es war arschkalt. Trotz des langen Aufstiegs und der Anstrengung musste ich mich beeilen, da ich zu frösteln begann. Also zwei Coke in den Hals geschüttet und weiter gehts, ab Richtung Ziel. Der Abstieg vom Königsstuhl war fast genau so anstrengend wie der Aufstieg. Spitz und lose Steine verteilt auf dem gesamten Abstieg machten den Endspurt zur Rutschpartie und an Spurt war nicht zu denken.

Letztendlich hörte man schon den Moderator und nach ein paar Kurven war auch schon das Ziel zu sehen. Glücklich und unverletzt lief ich in einer Zeit von 4:32 über die Matte und belegte den 88 Platz und nahm meine beiden Lieben in die Arme. Auch sie hatten heute eine tolle Leistung vollbracht und mich bei diesem Wetter auf der Strecke unterstützt und dem Wetter getrotzt. Danke meine drei, ich liebe euch!

Warum also machen wir solche Läufe, warum quälen wir uns? Es ist doch nur laufen!

Nein, das ist es eben nicht. Es ist Freiheit. Es ist die Überwindung und die Tatsache das es immer weiter geht und selbst steile Berge, schlechtes Wetter und schwere Beine einen nicht abhalten können immer weiter zu machen. Den Fokus und sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren ist genau so wichtig wie sich mit seinem Körper auseinander zu setzen und brennende Beine zuckende Muskeln zu überstehen. Zeit mit dir und der Herausforderung über Grenzen, über DEINE Grenzen zu gehen. Immer weniger ist die Zeit am Ende das Ziel, vielmehr geht es darum einen weiteren Sieg über sich selbst errungen zu haben. „Das geht doch nicht“, diese Aussage kennen wir nicht. Was du dir vorstellen kannst, das kannst du auch schaffen und „Zweifeln“ ist der erste Schritt zur Niederlage. Das ist übrigens nicht nur im Sport vergleichbar sondern zieht sich durch dein ganze Leben. Jeder meiner Läufe bringt mich weiter und kein Lauf ist wie der Andere.

Fazit: Ich höre nicht auf wenn ich müde bin, ich höre auf wenn ich es geschafft habe. Willensstärke , Ehrlichkeit zu dir selbst, Training und ein klarer Kopf bringt dich zum Ziel.

In diesem Sinne wünsche ich euch immer starke Beine, ein großes Kämpferherz und vor allem einen starken Kopf.

Zum Thema Kopf gibt es in Zukunft übrigens ein Angebot von jo-running. Haltet daher die Facebook-Seite im Auge oder schaut öfter auf jo-running.com vorbei.

 

Euer Jo

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1 comment

  1. Comment by Christian Hock

    Christian Hock 5. Oktober 2015 at 13:34

    Hi Jo,

    gut beschrieben; genau das ist es, was mich zum Laufen gebracht hat, und bei diesem Sport hält.
    Grenzen sind da um überwunden zu werden ;-)!
    Immer wieder neu ausloten, was alles möglich ist.
    Gute Leistung Deinerseits war es zudem!

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