Exit

„Scott Rock the Top Marathon“, höchster und härtester Marathon Deutschlands! – Mein Erfahrungsbericht.

BRUTAL“, dieses Wort beschreibt wohl am ehesten das, was man über den „Scott Rock the Top Marathon“, höchster und härtester Marathon Deutschlands, sagen kann.

42 km und 3.800 Höhenmeter aufwärts und 1800 Höhenmeter abwärts waren geplant, jedoch wurde der Lauf wegen einer angekündigten Schlechtwetterfront mit Hagel, Starkregen und Gewitter gekürzt (auf das leider komme ich später noch mal zurück).

D Day

Die Nacht war echt kurz -Luisa war unschuldig ;-)- aber Nervosität gepaart mit dem ständigen unruhig sein, dass ich etwas vergessen haben könnte, was mir dann auf dem Berg das Leben retten würde, war ich schon um 5:30 Uhr wach und durchstöberte zum „ixten Mal“ meinen Rucksack. Fazit: alles dabei!

…um es vorweg zu nehmen, ich hatte Verpflegung am Start, damit hätte ich auch noch den Abstieg machen können, aber besser zu viel als zu wenig dabei. 😉

Von Garmisch ging es um 6.30 Uhr zum Start nach Ehrwald (Österreich) und da der Start zwecks des angekündigten Wetters von 6 Uhr auf 8 Uhr verlegt wurde, waren Mel und Luisa auch dabei. 🙂

Der Rucksack wurde am Eingang der Startaufstellung durch die Medical Crew gecheckt und 3-2-1 schon ging es los.

Nach dem Start, ich hatte mich leider viel zu weit hinten orientiert, kam nach zwei kurzen „Einlauf-Kilometern“ schon die erste Steigung. Steigung? Am Arsch die Räuber, das war keine Steigung – das war ne Wand, aber eine schöne. 🙂

Und schon waren die ersten 500 Höhenmeter auf der Uhr und noch keine 5 km gelaufen. „Na das kann ja was werden…“ dachte ich mir da schon und zum Glück habe ich noch nicht gewusst, was da noch alles auf mich zu kommt.

Der Weg zur zweiten Verpflegung (V2) war wunderschön und Kaiserwetter begleitete mich dort hin. Es ging über grüne Wiesen, durch tannenbewachsene Wälder, an Kühen so nah vorbei, das ich schon Respekt vor dem Huf einer Kuh hatte und wenn jetzt noch Heidi mit dem Geisen-Peter vorbei gehüpft wäre, es hätte mich nicht gewundert. Gewundert hat mich, nach der V2, der Anstieg der mich erwartete. Solch Straßen habe ich das letzte mal in San Fransico gesehen. Ein unfassbarer kilometerlanger Anstieg, der dann von Teer auf Schotter nicht minder Steil in einer grünen Wiese endete.

Dann habe ich etwas erlebt was ich noch nie bei meinen Läufen erlebt hatte. Ich hatte bei V2 eine Orange gegessen und dieser Geschmack verfolgte mich jetzt auf meinem Weg. Ich konnte nur noch an diese Orange denken und wie geil sie geschmeckt hat. HALLO? Eine ORANGE?! Ich erzählte sogar meinem derzeitigen Laufpartner von meinen Gedanken an die Orange und ich hoffte sooooo sehr, dass es bei V3 auch ORANGEN gibt. Er war nicht mehr lange bei mir, da ihm wahrscheinlich mein ständiges ORANGENGELABER auf den Sack ging. 😉

V3: …JA und es gab ORANGEN und ein Medical Check. Ich glaube, ich habe die ganze Schüssel ORANGEN leer gefressen und es war mir egal, was die anderen gedacht haben. Ich hatte meine Orangen und alles andere war egal. Nachdem der Trieb gestillt war, machte ich mich wieder auf den Weg zur letzten Schlacht und was soll ich sagen, das ist auf keinen Fall übertrieben. Das Wetter wurde schlechter und die Sicht war gleich Null.

In manchen Situationen und gerade in der „Danger Zone“, ein Streckenabschnitt mit überhängenden Felsen und Kletterpassagen (Handdrahtseil am Felsen gespannt), war es nicht schlecht, dass man nicht sehen konnte, was passieren würde, wenn man das Seil im falschen Moment los lässt oder durch einen falschen Schritt die Abkürzung nach unten nimmt. Nach dieser Passage ging es auf schmalen Wegen mit keiner Überholmöglichkeit weiter Richtung Ziel.

Kommen wir zurück zum Anfang, ihr erinnert euch? Die Strecke wurde wegen der angekündigten Unwetter gekürzt! Am Ende waren es, laut meiner Uhr, 42 km und das einzige was nicht ganz stimmte, waren die Höhenmeter, aber mal ehrlich, ich fand das auf den letzten Kilometern auch nicht mehr schlimm. 😉

…jetzt noch in aller Kürze die letzten 3 Kilometer als Detailbeschreibung!

Warum nur die letzten 3?

Weil diese im absoluten Hochgebirge gepaart mit 500 Höhenmetern brutale 1,5 Stunden gedauert haben!!! 39 Kilometer und ca. 2700 Höhenmeter hatte ich schon in den Knochen und dann kommen dir 3 Kilometer wie Jahre vor.

Schmerzen? Das Thema hatte sich schon 8 Kilometer vor dem Ziel erledigt. Zwei Blasen unter meinen Füßen waren aufgegangen und die Schmerzen habe ich an die Seite gelegt, keine Zeit zum bluten… 😉

Nachdem ich das „noch 3 Kilometer bis zum Ziel-Schild“ passiert hatte, bin ich geschlagene 38 Minuten über Geröllfelder, rutschige Felsplatten und durch Schneefelder gelaufen und dann fing es auch noch an zu regnen und zu hageln. Mein Kopf kreist nur noch um einen Gedanken, ANKOMMEN! Nichts auf der Welt konnte mich jetzt davon abhalten und schon im nächsten Schritt merkte ich, dass es ganz schön kalt geworden war, da meine Finger krampften – es waren nur noch 4 Grad. „Weiter Jörg, du musst weiter – auf keinen Fall stehen bleiben und immer einen Schritt nach dem anderen machen“, dachte ich mir immer wieder.

Schlimm war unter anderen, dass man nicht sehen konnte, wie hoch dieser verdammte Berg noch ist, den man gerade nach oben läuft. Durch den Nebel konnte man gerade mal ein paar Meter weit schauen und ein Ziel vor Augen, wenn auch nur eine Kuppe oder irgendetwas an dem man sich orientieren kann, wäre eine Motivation gewesen, aber so sah man nur Berg auf, Berg auf, Berg auf. „Kopf ausschalten“, dachte ich und dann kam, nach einer gefühlten Ewigkeit, das „ noch 2 Kilometer bis zum Ziel Schild“. Die Umgebung änderte sich nicht viel aber der Weg wurde noch härter. Pfeile des Veranstalters zeigten den Weg mitten über Felsmassive und Kletterpassagen.

Noch 1 Kilometer und noch keinen Ton vom Zielmoderator…….

„Komm sag was, peitsche mich an, lass mich laufen, fliegen, schweben“ dachte ich aber ich hörte nichts! Ich sah nur Einöde und Berge / Berge / Berge. Ich traf noch auf einen Doc, der letzte Doc vorm Ziel, er zeigte mir die Richtung und plötzlich hörte ich ganz in der Ferne Musik.

„ALTER, das Ziel! …und jetzt? Beine in die Hand und los“, sagte ich mir.……..NEIN, die wollten nicht mehr. Im gepflegtem Doppelstockeinsatz nahm ich die letzten 200 Meter in Angriff und ging über die Ziellinie. Ich hatte Tränen in den Augen und war so unfassbar erleichtert gesund oben angekommen zu sein, es war ein unbeschreibliches Gefühl.

Fazit:

Ein toller, sehr anstrengender Lauf, der alles abverlangt und bei dem man seine Grenzen neu setzt. Der Kopf bestimmt, was der Mensch alles leisten kann und der Glaube an sich selbst.

Sehr schöne Anstiege durch Tannenwälder mit herrlichem Ausblick auf die Umgebung der Zugspitze. Kühe, Ziegen und Gämse, die einem komische Blicke zuwarfen als ob sie wissen was du da tust. Am Ende waren es doch 42 km mit 3400 Höhenmeter im Auf,- und 1800 Höhenmeter im Abgang. Eins steht fest, ich komme wieder! Und dann werde ich nicht der Letzte in der Startaufstellung sein. 😉

Danke an die Läufer, mit denen ich teilweise gemeinsam laufen durfte. Hut ab vor dieser Leistung jedes Finishers.

Danke an Plan B (Organisation) für dieses Gefühl, die Orga (Medical Crew, Verpflegung mit Orangen 🙂 und diesen einprägsamen Zieleinlauf, an dem ich ganz sicher noch lange zehren werde.

Danke an meine Liebe, meinen großen Schatz und meinen kleinen Schatz! Danke für das Verständnis, dass ich trainieren durfte und ihr Abstriche machen musstet und diese immer hingenommen habt.

Jetzt ist der Papa erstmal wieder frei 🙂 Ich liebe euch von ganzem Herzen!

Euer Jo

PS: jo-running.com

IMG_7614


  
  
  
  
  
  

5 comments

  1. Comment by Andy

    Andy 26. Juli 2015 at 18:54

    Zuerst einmal möchte ich Dir, lieber Jörg, meinen Glückwunsch und allergrößten Respekt aussprechen! Was für eine Wahnsinnsleistung – Hut ab!!!
    Vielen Dank, dass du uns mit deinem Bericht an deinem Erfolg teilhaben lässt und wir so ein wenig nachempfinden können wie dir dieser BRUTALE LAUF „geschmeckt“ hat. Klasse, dass du es ohne größere Probleme ins Ziel geschafft hast und ich sehe dich nächstes Jahr schon wieder mindestens 12 Wochen über den Sommer trainieren…5-6 mal in der Woche…
    Freue mich sehr darauf vielleicht mal bei einer Runde mit zu laufen.

    Grüße
    Andy

  2. Comment by Dirk Göhner

    Dirk Göhner 26. Juli 2015 at 19:20

    Jörg …. einfach nur Wahnsinn was du da schreibst !!!

    Macht extrem Lust auf diesen Anstieg wir werden uns beim Bravehaertbattle intensiv darüber unterhalten und ich hoffe da wirst DU einen Vortrag halten über dein Erlebnis!!!

    Du machst es genau richtig….
    FÜHREN DURCH VORFÜHREN!!!

    BRAVO FREU MICH SEHR DICH KENNENGELERNT ZU HABEN!!!!

    ATTACKE UND BIS IM MÄRZ!!!

  3. Comment by Dirk Hochstein

    Dirk Hochstein 27. Juli 2015 at 10:24

    Hallo Jörg,

    wahnsinn! RESPEKT.
    Toller Bericht & geiles Event! … ich schliesse mich meinem Braveheartbattle-Freund Dirk Göhner an: BITTE UM VORTRAG im März 😉

    Erhole dich gut & bis bald

  4. Comment by Moni Zenglein

    Moni Zenglein 29. Juli 2015 at 14:16

    Hallo Jörg,

    Der Bericht ist sehr spannend, da ist man fast schon ein
    bißchen dabei. Respekt für diese Leistung. Da kann man
    seine Grenzen wirklich neu entdeckenl
    Grüße Moni

  5. Comment by Frank Schwarzkopf

    Frank Schwarzkopf 12. August 2015 at 9:13

    Hi Jörg,

    ganz großer Respekt für Deine Leistung, Du bist ein Fitness Ass!!

    Dein Bericht und die Bilder inspirien, sowas auch mal erleben zu wollen…

    Grüsse auch vom SV23

Comments are closed.

Close
Go top